Digitale Scaffolds zur Unterstützung aller Lernenden in der MINT-Bildung

In enger Zusammenarbeit mit Grundschullehrkräften untersuchen wir, wie digitale Hilfsmittel Schülerinnen und Schüler in offenen Lernumgebungen, wie z. B. Makerspaces, im MINT-Unterricht unterstützen können. Wir entwickeln, testen und evaluieren digitale Tools zur Unterstützung des selbstgesteuerten Lernens und zur Erleichterung der Teilnahme aller Kinder an innovativer und gerechter Wissenschafts- und Technologiebildung.

Um drängende und komplexe Probleme anzugehen, sind umfassende und interdisziplinäre Fähigkeiten erforderlich. Die MINT-Bildung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Erstens vermittelt sie ein Fundament an wissenschaftlichem und technologischem Wissen und Verständnis sowie ein Verständnis für wissenschaftliche und technologische Prozesse. Zweitens fördert sie überfachliche Kompetenzen, wie z. B. die so genannten 4 K's der Fähigkeiten des 21. Jahrhunderts: kritisches Denken, Kreativität, Kollaboration und Kommunikation sowie die Fähigkeit zur Selbstregulierung. Es ist daher unerlässlich, allen Kindern die Teilnahme an der MINT-Bildung zu ermöglichen.

Es hat sich gezeigt, dass es in der Schule schwierig ist, Probleme der realen Welt zu lösen. Kinder sind oft von der Komplexität der Aufgaben in offenen Lernumgebungen überfordert, wenn sie mit unklaren Problemen konfrontiert werden. Angemessene Anleitung und Unterstützung sind der Schlüssel zum Erfolg - nicht nur, um komplexe Probleme zu bewältigen, sondern auch, um die intrinsische Motivation und Neugier der Kinder aufrechtzuerhalten. Anleitung und Unterstützung können in einer Vielzahl von Formen angeboten werden, die auf unterschiedliche Lernschwierigkeiten eingehen: von Erklärungen und Visualisierungen bis hin zu Lernstrategien und Motivationshilfen. Seit den Anfängen des digital unterstützten Lernens und Lehrens wird unter Pädagog:innen das Potenzial digitaler Werkzeuge zur Unterstützung der Lernprozesse von Kindern bei gleichzeitiger Entlastung der Lehrkräfte diskutiert.

In Scafalle untersuchen wir, wie digitale Werkzeuge eingesetzt werden können, um Kinder in offenen Lernumgebungen, wie Makerspaces und forschendes Lernen, in der MINT-Bildung zu unterstützen. Mithilfe eines designbasierten Forschungsansatzes arbeiten wir eng mit Grundschullehrkräften zusammen, um deren Bedürfnisse und die der Kinder für eine integrative und inspirierende Lernumgebung vollständig zu verstehen. In einem ersten Schritt ermitteln wir gemeinsame Herausforderungen und Lernbarrieren, mit denen Kinder in offenen Lernumgebungen konfrontiert sind. Gemeinsam mit den Lehrkräften skizzieren wir mögliche Lösungen für die erlebten Herausforderungen unter Anwendung von Design-Thinking-Prinzipien. In einer zweiten Projektphase werden wir Prototypen digitaler Hilfsmittel entwickeln, die in mehreren Grundschulklassen getestet werden. Wir sehen mehrere Entwicklungs- und Testzyklen vor, um die digitalen Werkzeuge iterativ zu optimieren. Rückmeldungen von Lehrern und Kindern werden systematisch durch Feldbeobachtungen, Videoaufzeichnungen im Klassenzimmer und kurze Interviews gesammelt. Die dritte Projektphase umfasst die Implementierung des Scafalle-Tools in einer größeren Anzahl (ca. 8) von Grundschulen. Um sicherzustellen, dass das Tool in den Schulen verankert ist und dass die Lehrkräfte ihre Erfahrungen austauschen können, werden von den Lehrkräften geleitete Lernzirkel eingerichtet, die sich mit der Nutzung digitaler Hilfsmittel im offenen und innovativen MINT-Unterricht befassen.

In Zusammenarbeit mit Lehrkräften wollen wir neue Erkenntnisse zu den folgenden Fragen im Kontext offener und innovativer MINT- Unterrichtsumgebungen gewinnen:

  • Welchen Herausforderungen und Lernbarrieren stehen Kinder in solchen Umgebungen gegenüber?

  • Wie können digitale Werkzeuge so gestaltet werden, dass sie das Erlernen von fachspezifischem und allgemeinem Wissen und Fähigkeiten aller Kinder unterstützen?

  • Wie beeinflusst der Einsatz digitaler Hilfsmittel die Lernprozesse der Kinder sowie ihre Motivation und Emotionen wie auch die der Lehrkräfte?

  • Was sind die persönlichen und institutionellen Voraussetzungen für den erfolgreichen Einsatz digitaler Werkzeuge im Klassenzimmer?

Lehrkräfte und Kinder werden von maßgeschneiderten und vielseitigen digitalen Lernhilfen profitieren, die das MINT-Lernen aller Kinder erleichtern. Die bei der Entwicklung der Scafalle-Tools gewonnenen Erkenntnisse werden Schulleitungen und Behörden helfen, einen modernen und innovativen MINT-Unterricht in der Schweiz und darüber hinaus effektiv und nachhaltig zu etablieren.

Prof. Dr. Julia Arnold

PH FHNW

Project Leader

Prof. Dr. Christoph Gütersloh

PH FHNW

Project Leader

Prof. Dr. Robbert Smit

PHSG

Project Leader

Dr. Marco Longhitano

PH FHNW

Researcher

Dominic Studer

PH FHNW

Researcher

Clemens Waibel

PHSG

PhD Student

Olivia Furrer

PH FHNW

Collaborator