DEEP – Differentiated Instruction umfasst drei Teilprojekte und untersucht die Umsetzung von Differenzierung in drei verschiedenen Unterrichtssettings auf der Primarstufe (4.-6. Klasse). Es handelt sich dabei um (1) Klassen, die mit offiziellen Lehrmitteln arbeiten, (2) Klassen, die mit digitalen Lernlandschaften arbeiten und (3) Klassen, die mit adaptiven Lernsystemen arbeiten. Im Fokus steht dabei die Frage, wie Differenzierung im Unterricht in Zeiten der Digitalisierung umgesetzt werden kann.
Förderung eines gerechten, digital unterstützten und differenzierten Unterrichts
In der Schweizer Bildungspolitik wird die Heterogenität von Primarschüler:innen als eine der Hauptursachen für ungleichen Schulerfolg beschrieben. Daher wird im Sinne der Chancengerechtigkeit von Lehrpersonen verlangt, dass sie ihren Unterricht an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Lernenden anpassen und geeignete Formen des differenzierten Unterrichts anbieten.
Lehrpersonen bekunden allerdings oft Schwierigkeiten, differenzierten Unterricht angemessen umzusetzen. Um sie in dieser Aufgabe zu unterstützen, wurden in den letzten Jahren verschiedene Instrumente und Materialien entwickelt, dazu gehören auch digitale Tools wie bspw. Erklärungsfilme, Selbsttests oder digitalisierte Aufgabenpools auf verschiedenen Niveaus. Neuartige Bildungstechnologien gehen noch einen Schritt weiter und zielen darauf ab, digitale Tools zu entwickeln, welche eigenständig mit Heterogenität umgehen können und den Lernenden massgeschneiderte Aufgabenstellungen anbieten, um Lernerfahrungen radikal zu personalisieren. Heutzutage werden solche neuartigen Bildungstechnologien in der pädagogischen Praxis jedoch noch selten eingesetzt.
Das Spannungsfeld zwischen aktuellen unterrichtlichen Praktiken von Lehrpersonen und den Versprechungen von Bildungstechnologien in Bezug auf differenzierten Unterricht sowie dessen unklaren Auswirkung auf Bildungsgerechtigkeit, bilden den Ausgangpunkt von DEEP – Differentiated Instruction. Das Projekt verfolgt dabei das Ziel, die Bedingungen für einen differenzierten Unterricht in Schweizer Primarschulen zu klären, der eine gerechte Bildung gewährleisten kann, insbesondere im Hinblick auf die Möglichkeiten und Herausforderungen, die digitale Tools dabei bieten. Handlungsleitend sind dabei folgende Fragestellungen:
Wie kann differenzierter Unterricht in Zeiten der Digitalisierung des Lehrens und Lernens in den Schulklassen umgesetzt werden?
- Wie kann differenzierter Unterricht in Schulklassen umgesetzt werden, um Herausforderungen für Lehrpersonen zu reduzieren und Schüler:innen zu unterstützen?
- Wie kann differenzierter Unterricht in der Schule umgesetzt werden, um positive Auswirkungen auf Leistung und Chancengerechtigkeit zu haben?
- Wie können digitale Hilfsmittel einen differenzierten Unterricht in gerechter Weise unterstützen?
Den Fragen wird in drei Teilprojekte mit unterschiedlichen Schwerpunkten nachgegangen.
Teilprojekt 1 verwendet einen ethnographisch-partizipativen Ansatz, um die Perspektive der Schüler:innen in verschiedenen Unterrichtssettings zu analysieren. Dieser Ansatz zielt darauf ab, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie Schüler:innen unterschiedliche Formen differenzierten Unterrichts erleben und darauf reagieren.
Teilprojekt 2 verwendet einen qualitativen Zugang, um die berufliche Rolle von Lehrpersonen in verschiedenen Unterrichtssettings zu untersuchen. Dabei wird analysiert, wie Lehrpersonen ihre Rolle wahrnehmen, mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert sind und welche Strategien sie anwenden, um differenzierten Unterricht effektiv umzusetzen.
Teilprojekt 3 führt eine Reihe von Quasi-Experimenten durch, um Merkmale zu bestimmen, die Lernmaterialien und digitale Tools aufweisen müssen, um Differenzierung effektiv zu unterstützen. Dieses Teilprojekt zielt darauf ab, empirische Belege für die Wirksamkeit verschiedener Tools und Materialien zur Förderung des differenzierten Lernens zu liefern.
Die drei Teilprojekte sind eng miteinander verbunden und entwickeln während der gesamten Projektlaufzeit auf der Grundlage der Zwischenergebnisse Inputs für Lehrkräfte. Diese Inputs sollen praktische Anleitungen und Strategien für die Umsetzung eines differenzierten Unterrichts im Klassenzimmer bieten.